Wo sich Fontane inspirieren ließ

Wo sich Fontane inspirieren ließ
Brühlsche Terrasse am Schwielowsee

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass wir in diesem Jahr nicht nur den 30.  Jahrestag des Falls der Berliner Mauer begehen, sondern auch den 200. Geburtstag Theodor Fontanes – eines Schriftstellers, der für unsere Region eine ganz herausragende Bedeutung hat.

Wo sich Fontane inspirieren ließ

VON Dr. HARTMUT WIEGEMANN

Geboren in Neuruppin, hatte er, der gern reiste und viel herumkam, später seinen Lebensmittelpunkt in Berlin, wo er auch begraben liegt.

Das Märkische und insbesondere die Havellandschaft waren für ihn Heimat des Herzens. Als Schriftsteller war er immer auf der Suche nach neuen Stoffen, die auf die Interessen der Leser trafen. So entstand nach einer Schottlandreise der Plan, das Havelland zu erkunden und zu beschreiben, und zwar nicht nur die preußischen Residenzen, sondern vor allem die Landschaften, die kleinen Orte und Pfarreien. Dabei stieß er auf viele originelle Geschichten und menschliche Originale. So auch in Geltow, das er besuchte und das für ihn genau wie Werder Ausgangspunkt für Wanderungen oder Fahrten zu Wasser wurde.

Zu Fuß und mit der Bahn

Schon als junger Mann machte Fontane gern lange Fußmärsche, erkundete geschichtliche Orte und plauderte mit ortskundigen Bewohnern, vor allem mit Lehrern und Pastoren. Später begrüßte er begeistert das neue Fortbewegungsmittel – die Eisenbahn, die dann auch Berlin mit Potsdam und Werder und weiteren umliegenden Orten verband. Wo die Bahn nicht hinkam, hatte man die Post, die fast überall hielt, wo mehrere Menschen wohnten. Aber nach wie vor lief Fontane viel zu Fuß, so auch zwischen Potsdam, Werder und Geltow oder rings um den Schwielowsee.

Es vereint sich hier alles, was einem Besuchsorte zur Zierde und Empfehlung gereichen kann.

Baumgartenbrück

So kehrte er auch in der Gaststätte Baumgartenbrück ein und trank bei dem Gastwirt Hermann eine „Werdersche“. In seinen Wanderungen, Teil 3, beschreibt er enthusiastisch die Schönheit des Platzes Baumgartenbrück und den Blick auf den Schwielowsee mit den vorbeiziehenden Kähnen:
„Es vereint sich hier alles, was einem Besuchsorte zur Zierde und Empfehlung gereichen kann. Stille, Leben, Abgeschlossenheit und Weitblick, ein landschaftliches Bild ersten Ranges und eine vorzügliche Verpflegung … Baumgartenbrück ist noch ein Platz dieser Freiheit.“

Aber was dauernd hier fesselt, weit über das beste Bier und die bescheidenste Musik hinaus, das sind doch die Gaben der Natur, das ist – wir deuteten es schon an – die seltene Schönheit des Platzes. Es ist eine „Brühlsche Terrasse“ am Schwielowsee.

Gestohlene Würste

Im gleichen Kapitel schreibt Fontane auch über Alt-Geltow, die Kirche, den Forstmann Schupke und den Friedhof mit dem Grab Meusebachs. Später erzählt er dem Leser, wie es seine Art ist, noch eine putzige Geschichte über gestohlene Würste und Speckseiten in Neugeltow.

Jahre später kommt Fontane noch einmal in einer Ballade – „Kaiser Friedrichs letzte Fahrt“ – auf Geltow zurück. Der todkranke Friedrich besuchte mit seiner Frau Victoria die neue Kirche, die sie gestiftet hatten. Hier vereinen sich geschichtliche Tatsachen mit Preußen-Verherrlichung und das Bedauern des harten Schicksals des 99-Tage-Kaisers, auf den viele Liberale wie auch Fontane ihre Hoffnungen gesetzt hatten.

Fontane ehren

Wie dem auch sei – Fontane hat mit seinen Texten auch Geltow ein Denkmal gesetzt. Der Heimatverein Geltow möchte aus gegebenen Anlass Fontane ehren und eine Stele am Schwielowsee bei Baumgartenbrück aufstellen lassen. Auch die kommende Ausstellung des Heimatvereins soll im Zeichen Fontanes stehen.

Hartmut Wiegemann
Hartmut Wiegemann

Der Autor Dr. Hartmut Wiegemann, Jahrgang 44, war Dozent in der Lehrerbildung und ist jetzt im Ruhestand. Er ist verheiratet und lebt seit 2008 in Wildpark-West, seit 2010 im Heimatverein Geltow e.V., teilt sich den Vorsitz mit Lisa Stoof.

Eine Stele am Schwielowsee bei Baumgartenbrück

Die Einweihung der Stelle ist am Sonntag, den 2.  Juni 2019 14:00 Uhr.
Parallel zur Enthüllung der Fontane-Stele beginnt die Ausstellung. Es handelt sich dabei um ein Doppelprojekt, das mit Landesmitteln gefördert wird.
Ort ist das Heimathaus bei der Gaststätte „Grashorn“ in Geltow, Am Wasser2.
Der Eintritt ist frei.

Die Fontane-Ausstellung im Heimathaus hat für Besucher ihre Pforten jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Einritt ist frei.

Sie sind geschichtlich interessiert, wollen mehr über Geltow und Wildpark-West in Erfahrung bringen und helfen, Geschichte zu bewahren? Sie wollen den Heimatverein Geltow in seiner Arbeit unterstützen?
Kontakte über Heimatverein Geltow, Am Grashorn 2,
E-Mail: heimatverein.geltow@gmail.com

Der Heimatverein Geltow wurde 1992 gegründet und besteht derzeit aus 17 Mitgliedern. Diese widmen sich der Erforschung Dokumentation und Publikation der Geschichte Geltows.
Mitgliederversammlungen finden immer im letzten Dienstag um 17 Uhr im Heimatverein statt, Interessierte sind herzlich willkommen.

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