Das Vorwerk Gallin, das heutige Wildpark-West, 
war über vier Alleen mit prächtigem Baumbestand erreichbar. 
Wir stellen sie vor.

TEIL ZWEI:

Eichenallee (Fuchsweg)

VON MARIANNA VON KLINSKI-WETZEL

Aus der Zeit der Erbpacht von Äckern, Wiesen, Weiden und Feldern einiger Werderaner Bürger, die auf dem Gallin ihre ‚Kaveln‘ (auch Kabeln geschrieben, das sind mittels Verlosung zur Pacht zugeteilte Parzellen) bearbeiteten, konnten bis zum Jahr 1685 keine Namen für Wege auf dem Gallin aufgefunden werden.

1685

Erst zur Zeit der Ansiedlung der Schweizer Kolonisten wurden von dem Potsdamer Domänenamt befestigte Wege zum Gallin angelegt. Wie bereits im Artikel zur Geschichte der Kastanienallee beschrieben wurde, war für die Schweizer Kolonisten auf dem Gallin ein Dreiseithof entstanden. Von diesem Dreiseithof aus erreichte man über einen Weg die weiteren Schweizer Siedlungsgebiete im ‚Golmer Bruch‘, das ‚Einhaus‘ und dann die ‚Vier Häuser‘ (Natte Werder). Eine Bezeichnung dieses Weges in Richtung Golmer Bruch konnte in den alten Akten nicht gefunden werden. Vermutlich hieß er ‚Weg nach dem Golmer Bruch‘. Über den daran anschließenden, später ‚Galliner Damm‘ genannten Weg gelangte man auch in das alte Dorf Golm.
Die heute und auch schon in alter Zeit wichtigste und in ihrer Funktion im Zusammenhang mit der Besiedlung durch Schweizer Kolonisten älteste Zufahrtsmöglichkeit aus Richtung Osten zum Gallin war der Weg, den wir heute als Eichenallee kennen. Der Gallin war im Jahr 1685 durch den Großen Kurfürsten (reg. 1640 bis 1688) aus dem Amt Lehnin herausgelöst und in das kurfürstlich-königliche Domänen-Territorium eingegliedert worden. Er wurde von der Berliner ‚Königlich Churmärkischen Kriegs- und Domainen Cammer‘ als oberste Instanz verwaltet. Das Amt Potsdam war ein Unteramt der Berliner ‚Kriegs- und Domainen Cammer‘. Auch zu dieser Zeit ist ein Name für den Weg von Potsdam durch den Wildpark nach Kuhfort, am späteren Kleinen Entenfang See vorbei direkt an das Ufer der Havel, wo der Dreiseithof entstanden war, nicht bekannt.

1691

Der Sohn des Großen Kurfürsten, Kurfürst Friedrich III., ‚Marggraff zu Brandenburg‘ (reg. 1688 bis 1713), erließ am 19. März 1691 ein Edikt, in dem er seine Landeskinder anwies, Bäume anzupflanzen. Die wichtigsten Passagen in diesem Edikt teilten das Folgende mit:

[Ch. O. Mylius, Corpus Constitutionum Marchicarum, Ediktensammlung, Berlin/Halle 1737, 1. Theil, 2. Abt., Spalte 111/112]
„1. Daß hinfort ein jeder Unterthan und Einwohner in den kleinen Städten und Flecken, sonderlich aber auf den Dörffern, und sonsten aufm Lande, hinter seinem Wohnhause, wenn er die Gelegenheit dazu findet, ihm einen gewissen Platz abhegen, solchen in zwei Theile theilen, und den einen Theil zu Pflantzung allerhand Frucht-tragender Obstbäume, den anderen aber zu einem Eichel-Kamp und Zeugung Mast-tragender Eichen-Bäume gebrauchen solle, worüber dann, und daß solches also zu Werke gerichtet, die Plätze auch behöriger massen darzu aptiret (zurechtmachen) und beflantzet werden mögen, die Gerichts-Obrigkeit jedes Orts gebührend zu halten, und die Ungehorsame durch zureichende Zwangs-Mittel dahin anzuweisen hat.“ [Der Kamp ist ein eingehegtes Stück Feld.]

In weiteren Passagen (es sind insgesamt 13 Anordnungen) heißt es, dass auch bei jedem „Gute in den Amtsdörfern“ der Anfang mit solchen Pflanzungen gemacht werden soll.

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Marianna von Klinski-Wetzel
Marianna von Klinski-Wetzel

Autorin Marianna von Klinski-Wetzel wurde 1939 geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend bis 1957 in Wildpark-West. Nach der Grundschule in Geltow und der Oberschule in Potsdam, Abitur und Studium in Berlin-Charlottenburg. War als Lehrerin für Kunst und Werken tätig. Seit 2002 wieder in Wildpark-West zu Hause. Sie ist verheiratet mit Prof. Peter Wetzel, das Ehepaar hat drei Kinder.

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