Vom Umgang mit Bäumen: Das Gewissen unseres Wohlstandes

Vom Umgang mit Bäumen: Das Gewissen unseres Wohlstandes
Vom Umgang mit Bäumen

„Die Linde kommt 300 Jahre, steht 300 Jahre und vergeht 300 Jahre.“ Im prosperierenden Geltow, in Werder (Havel) und auch in Wildpark-West erleben viele große Bäume nicht einmal ihre Reifephase oder werden verstümmelt!

Das Gewissen unseres Wohlstandes

VON JAN EISENFELD

Die beiden etwa 250 Jahre alten Linden am Tor der Kirche in Alt-Geltow waren zu stattlichen Bäumen herangewachsen. Sie wurden in einer Zeit gepflanzt, als Ortsbilder noch mit einem ausgeprägten Bewusstsein für eine regionale Identität im Sinne eines kulturellen Erbes geplant und gestaltet wurden. Neben der Architektur gehörte die traditionelle Gestaltung mit heimischen Gehölzen und Stauden, ob auf Kirchengelände, kommunalen Flächen oder in privaten Vorgärten, selbstverständlich dazu. Sicherlich hat man die zukünftige ökologische Dimension dieser weitsichtigen Geisteshaltung nicht geplant – aber vielleicht geahnt. Ihr verdanken wir heute unsere Vorstellung von Heimat und Identität. Dazu kommt die naturräumliche Lage in einer attraktiven Flussregion – ein Geschenk der Natur an uns Menschen. Wir selbst und unsere heutigen Kommunalverwaltungen haben dazu nichts beigetragen, doch ziehen wir aber wirtschaftlichen Nutzen daraus; sei es durch den Tourismus, die Gewinnung von Bauland oder die Schaffung von Freizeit- und Erholungsangeboten. Dagegen wäre nichts an sich einzuwenden, wenn die Verwaltungen in Schwielowsee und Werder auch in naturschutzfachliche Strategien und Aufgaben bzw. das Gemeinwohl gleichermaßen investieren würden, wie in ihre ökonomischen Interessen. Doch es werden Bebauungs- und Flächennutzungspläne aufgestellt, die in der Hauptsache nur dem kurzfristigen Investitionsdruck privatwirtschaftlicher Belange genügen. Dringender Handlungsbedarf zu Fragen des Natur- und Artenschutzes – nennen wir es ruhig Heimatschutz – wird ausgesessen oder aufgeschoben. Entsprechend beschränkt sich die notwendige Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltungen zu Schutz und Umgang mit unserer Natur, wenn überhaupt, auf die gesetzlichen Mindestanforderungen. Viele Orte oder Ortsteile bilden heute nur noch die vorübergehenden ökonomischen Befriedigungen der Menschen ab, vor allem in den sogenannten Entwicklungsgebieten. Ich vermisse in unseren Verwaltungen Demut und Dankbarkeit im Umgang mit dem anvertrauten Erbe.

Ich vermisse in unseren Verwaltungen Demut und Dankbarkeit im Umgang mit dem anvertrauten Erbe.

Baumgutachten & Baumfällungen

Im November 2016 wurden in Geltow die beiden Kirchenlinden durch eine massive Kronenkappung auf etwa acht Meter zurückgeschnitten. Dafür muss es weitere Gründe gegeben haben, als einzelne Pilzkörper unterhalb früher gekappter Starkäste an einer der Linden. Ohne die Notwendigkeit dieser Maßnahme an dieser Stelle hinterfragen zu wollen, gilt grundsätzlich, dass durch massive Kronenkappungen zwar für eine Weile die Verkehrssicherheit gewährleistet wird, mittel- und langfristig sind derartig gekappte Bäume aber nicht selten teurer im Unterhalt und vor allem kurzlebiger als Bäume, die über Jahre fachmännisch gepflegt wurden. Nicht jeder „Baumservice“ gibt diese Information an seine Kunden weiter. Wenn ein „Dienstleister“ Baumgutachten und Baumfällungen gleichzeitig anbietet, ist das mehr als zweifelhaft und widerspricht seriösem Geschäftsgebaren. Solange Bürger und ihre Verwaltungen dabei keinen Interessenkonflikt erkennen wollen, kann an unseren alten Bäumen nach Belieben herum geschnitten werden. Die Folgekosten und die irreversiblen, ökologischen Schäden trägt die Allgemeinheit.

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