Wildpark-West und das die Ortschaft umgebende Waldgebiet ist absolutes Fledermausgebiet. Die waldreiche Gegend bietet den Flattertieren sowohl Quartier als auch Lebensraum für ihre Jagd nach Insekten.

Vom Aussterben bedroht – Fledermäuse in Wildpark-West

VON CHRISTIANE SCHRÖDER

Für die Wildparker ist es ein gewohntes Bild, wenn mit dem Einbruch der Dämmerung über ihren Köpfen die „Kobolde der Lüfte“ ihre Bahnen ziehen.
Wer aufmerksam hinschaut, wird fasziniert über die schnellen und wendigen Gleiter sein. Spezielle Geräte erfassen sogar die hohen Töne, die Fledermäuse zum Zweck der Orientierung ausstoßen und wandeln sie in für uns hörbare Frequenzen um. 
„Tak, tak, tak …“

Absolutes Fledermausgebiet

Wildpark-West und das die Ortschaft umgebende Waldgebiet ist absolutes Fledermausgebiet. Die Fledermäuse bewohnen in und um Wildpark-West sehr oft die Höhlungen von älteren Bäumen. Das sind hier zumeist Kiefern oder Eichen, können aber auch alte Erlen oder der Spitzahorn sein. Die waldreiche Gegend bietet den Flattertieren sowohl Quartier als auch Lebensraum für ihre Jagd nach Insekten. Besonders alte Spechthöhlen oder Risse unter der Baumrinde werden gerne tagsüber von ihnen als Quartier angenommen. Viele Fledermausarten nutzen zudem die Höhlungen als Wochenstuben, wie es zum Beispiel das Braune Langohr, der Abendsegler oder die Mopsfledermaus tun. Letztere bevorzugt besonders Rindenspalten und ist damit auf Alt- und Totholz angewiesen, wie es im Bereich der Methusalem-Eichen unweit des Ortseingang zu finden ist. Dort dürfen Bäume noch alt werden. Durch die artbedingte Häufigkeit an Quartierwechseln sind besonders zusammenhängende Baumbestände von Belang. Wie wir wissen hat die Waldsiedlung in den letzten Jahren unglaublich viele Bäume verloren. Werden durch eine hohe Anzahl von Baumentnahmen die Lebensräume der Fledermäuse vernichtet, ist es für verschiedene Arten unmöglich Ersatzquartiere zu finden.

Die baumreichen Waldbestände in und um Wildpark-West dienen vielen Fledermausarten heute noch als Nahrungs- und Wohnraumstätte

Fledermäuse nutzen immer einen Komplex von mehreren Quartieren, die über Jahre hinweg immer wieder aufgesucht werden. Gehen durch Fällung wichtige Quartierstandorte verloren, können sich die Tiere auf der Suche nach Ersatz gehäuft in Wohnungen verirren. Abendseglerarten und Zwergfledermaus nutzen aber besonders die Baumhöhlungen als Paarungsquartiere oder überwintern in ihnen, da sie zumeist frostsicher sind. Während einige Arten sehr spezifisch auf Jagd gehen, um z.B. Insekten und Spinnen von Blättern zu erbeuten oder am Boden lebende Laufkäfer vertilgen, sind in den Schneisen am Waldrand oder über den Wegen der Ortschaft zumeist Abendsegler oder Zwergfledermäuse auf Mückenjagd. Bei der Menge, die sie an einem Abend vertilgen, sollte jedes Mückenmittel überflüssig sein. Abendsegler schlagen ihr Quartier besonders gern in den Baumkronenbereichen auf. Dagegen sind Mopsfledermauspopulationen in den Forsten und Wäldern sehr stark rückläufig. Die Aktivitäten schwanken jahreszeitlich regional.

Christiane Schröder vom NABU-Landesverband im aufklärenden Gespräch mit einer Anwohnerin, die eine Fledermaus gefunden hatte. Foto: Daniel Klingberg
Christiane Schröder vom NABU-Landesverband im aufklärenden Gespräch
mit einer Anwohnerin, die eine Fledermaus gefunden hatte. Foto: Daniel Klingberg

Das hat zum Beispiel mit den Temperaturen, dem Nahrungsangebot aber auch mit Niederschlag und Wind zu tun. Besonders aktiv sind Fledermäuse von Ende April bis Juni, nur in den kalten Nächten sind sie weniger zu sehen. Ab Mitte September nehmen ihre Flugbewegungen deutlich ab, wobei auch hier Unterscheidungen getroffen werden und auch Witterungsbedingungen oder Mikroklimaverhältnisse Fledermausaktivitäten beeinträchtigen.

Weiter Lebensraum zerstört

Die baumreichen Waldbestände in und um Wildpark-West dienen vielen Fledermausarten heute noch als Nahrungs- und Wohnraumstätte. Gehen die Lebensräume aber für die Fledermäuse verloren, bedeutet das, dass die Populationen deutlich zurückgehen werden. Ein erheblicher Eingriff in den Baumbestand, wie er wohl im Herbst 2018 wieder zu erwarten ist, wird zu weiteren Rückgängen sowohl des Baum- als auch des Fledermausbestandes führen. Dass dann auch andere Tierarten, wie unsere heimischen Singvögel davon betroffen sein werden, wenn weiter Lebensraum zerstört wird, ist leider die Folge davon.

Zustand der gefährdeten Arten kritisch

Alle in Deutschland heimischen 25 Fledermausarten zählen zu den streng geschützten Arten und werden auf der „Roten Liste“ der Säugetiere aufgeführt. Die Einschätzung über ihren Zustand wird auf der Grundlage des Deutschen Nationalen Berichts zur FFH-Richtlinie, der aktuellen Roten Liste und des Nationalen Berichts Deutschlands für das Euro-BATS-Abkommen, einem europäischen Abkommen zum Schutz der Fledermäuse, erstellt.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der Zustand der gefährdeten Arten kritisch ist, da ihre Lebensräume immer kleiner werden

Eine Fledermausart gilt bereits als ausgestorben, drei als vom Aussterben bedroht, vier werden als stark
gefährdet eingestuft und für zwei die starke Gefährdung unbekannten Ausmaßes angenommen. Fünf Arten stehen zudem auf der Vorwarnliste, für die anderen Arten sind die erhobenen Daten noch unzureichend. Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der Zustand der gefährdeten Arten kritisch ist, da u.a. ihre Lebensräume immer kleiner werden.
Auf der Suche nach Ursachen besitzt besonders die Entfernung von Alt- und Totholz sowie von Bäumen mit artenspezifischer Funktion einen großen Einfluss auf die Quartiersituation. Nach GÜNTHER (2005) ist der Wald für alle einheimischen Fledermausarten von besonderer Bedeutung. Mehr als die Hälfte von ihnen zieht in Baumhöhlungen Jungtiere groß oder überwintern in ihnen. Alle Arten haben ihren Schwerpunkt der Nahrungssuche im Wald.

Christiane Schröder
Christiane Schröder

Autorin Christiane Schröder, geboren 1980, verheiratet, drei Kinder, lebt mit ihrer Familie in Brück. Die studierte Biologin mit Schwerpunkt Fledermausschutz und Umweltbildung ist seit 2015 Geschäftsführerin des NABU Landesverbandes, der mit circa 16.000 Mitgliedern der größte Naturschutzverband Brandenburgs ist.

Das Bundesnaturschutzgesetz regelt in §  44 mögliche Beeinträchtigungen z.B. bei Baumentnahmen in festgestellten Fledermausgebieten.

  • das Tötungs- und Verletzungsverbot (§  44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG)
  • das Störungsverbot (§  44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG)
  • das Verbot der Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten/Lebensstätten (§  44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG)

Die Bürgerinitiative als auch der NABU Brandenburg haben bei von der Gemeindeverwaltung erteilten Fällbescheiden bemängelt, dass trotz gegebener Hinweise keine den Artenschutz begleitenden Maßnahmen stattgefunden haben. Ein Vorwurf, den die Gemeindeverwaltung bestreitet.
So braucht eine in einer Höhlung lebende Fledermaus mehrere Minuten, um bei Gefahr (z.B. bei der Abtragung eines Baumes) die zur Flucht benötigte Körpertemperatur zum Fliegen zu erreichen – und wird unter Umständen einfach zersägt. Schon die Vernichtung von Lebensräumen streng geschützter Arten kann aber ein Straftatbestand sein.
Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits vor zehn Jahren festgestellt, dass das Tötungs- und Verletzungsverbot individuumbezogen auszulegen ist (BverwG Urt. vom 9.7.2008–9A 14.07., Rn.91). Es gilt als erfüllt, wenn sich das Tötungsrisiko in signifikanter Weise erhöht, wobei zuvor Maßnahmen zur Verminderung vermeidbarer Tötungen durchzuführen sind.

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