Warum ist dieser Havelzugang überhaupt so bedeutsam? Er gehört zur langen Geschichte von Geltow, dem ältesten Ortsteil von Schwielowsee, der in diesem Jahr seinen 1025. Geburtstag feiert. Bis zum Bau der Baumgartenbrücke waren hier eine Fährstation und regelmäßiger Fährbetrieb nach Werder (Havel). Im alten Fährhaus gab es ein beliebtes Restaurant. Später nach dem Bau der Baumgartenbrücke blieben die Allee und Badestelle übrig. Bis heute steht der Havelzugang für eine einzigartige Naturlandschaft mit ihren Einblicken auf die Havel als prägendem Fluss.

Trotz Gerichtsurteil behindert ein auf dem Weg gebauter Stall den freien Zugang zum Badestrand. Foto: Norbert Kunz
Trotz Gerichtsurteil behindert ein auf dem Weg gebauter Stall den freien Zugang zum Badestrand. Foto: Norbert Kunz

Für viele löst der Havelzugang mit der Badestelle ganz besondere persönliche Erinnerungen aus. Die einen denken zurück an ihre Kindheit und an sonnige Badetage mit ihren Eltern. Andere erinnern sich an ein Picknick mit Freunden. Und wiederum andere wissen noch allzu gut, dass man dort früher bei einer Radtour einen willkommenen Zwischenstopp zum Baden einlegen konnte.

Einen atemberaubenden 
Blick auf die Havel

Was aber alle vereint und was diesen Ort in dieser Region so einzigartig macht, ist die mächtige von alten Kastanien umsäumte Allee, die erst unten am Ufer einen atemberaubenden Blick auf die Havel und die Halbinsel Werder eröffnet. Alle, die hier einmal waren, wissen: Dieser Ort ist ein Geheimtipp, den man gern mit anderen teilt.

Obwohl sie bei allen Gerichtsverfahren verloren haben, wurden die Sperren nicht beseitigt

Ganz anders sehen das die Besitzer des Alten Fährhauses, seit sie das Mittelstück des Weges und größere angrenzende Waldflächen gekauft haben. Sie sperrten im Jahr 2014 den Weg nach beiden Seiten ab, nutzen ihn fortan zusammen mit dem Uferbereich als privaten Badestrand und verwenden seitdem viel Energie darauf, die Öffentlichkeit fernzuhalten.

Altes Fährhaus, historische Postkarte, um 1930
Altes Fährhaus, historische Postkarte, um 1930

Obwohl sie in der Sache bei allen Gerichtsverfahren und auch in letzter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht verloren haben, wurden die Sperren nicht beseitigt. Im Gegenteil. Zuletzt errichtete ein Pächter des Eigentümers im Jahr 2016 mitten auf dem Weg einen Schafstall für Moorschnucken, umrahmt von einem Maschendrahtzaun. Schließlich breitet sich der Wolf immer mehr in Brandenburg aus …

Doch das Oberverwaltungsgericht
Berlin-Brandenburg sah das in seinem Beschluss am 19. Februar 2018 anders:

„Es stehe außer Frage, dass mit dem Zaun, der Holzbarriere, der Hecke und den Schildern ein naturschutzrechtlicher Eingriff im Sinne von § 14 Abs. 1 BNatSchG vorgenommen worden sei, und dass ein Verstoß gegen § 4 Abs. 2 LSG-VO vorliege. Alle Maßnahmen hätten eine Veränderung der Nutzung zum lnhalt, die im Landschaftsschutzgebiet ‚Potsdamer Wald- und Havelseengebiet‘ und in der Uferzone des als Biotop (Erlen-Eschenwald) kartierten FFH-Gebietes ‚Mittlere Havel-Ergänzung‘ unzulässig sei.“

Warum ist der Weg nicht schon längst wieder frei?

Fest steht: Die Gerichtsbeschlüsse in den vergangenen Jahren waren eindeutig. Das Betretungsrecht in der freien Landschaft muss beachtet werden. Eingriffe in die Natur sind nicht erlaubt.

Aber es mangelt offensichtlich am Willen der Verwaltung des Landkreises, die Gerichtsbeschlüsse zeitnah umzusetzen. Und es mangelt an politischem Willen in der Gemeinde, hier nicht nur tatenlos zuzuschauen, sondern Druck zu machen und dem Allgemeinwohl Vorrang zu geben.

Es scheint, dass der Einfluss des Eigentümers weit in die Politik der Gemeinde Schwielowsee reicht

Die Bürgermeisterin von Schwielowsee, Kerstin Hoppe, zeigt seit Jahren kaum Ambitionen, den rechtmäßigen Zustand schnellstmöglich wiederherzustellen. Klare öffentliche Aussagen von ihr gegen die Sperrung wird man wohl vergeblich suchen. Schon kurz nach der Sperrung äußerte sie gegenüber einer Zeitung, dass es sich ihrer Meinung nach bei der Sperrung des Weges um eine Privatangelegenheit handele.

Es scheint, dass der Einfluss des Eigentümers weit in die Politik der Gemeinde Schwielowsee reicht. Er selbst hatte bei der Kommunalwahl 2014 für die CDU kandidiert. Nach der Sperrung soll seine Anwaltskanzlei noch zu den Sponsoren des Caputher Fährfestes gezählt haben. Und in den vergangenen Jahren soll er als gern gesehener Referent bei gemeindlichen Weiterbildungsmaßnahmen aufgetreten sein.

Im heißen Sommer 2018 versperrt nach wie vor der Moorschnucken-Stall den unbeschwerten Zugang zur Havel. Bei einigen Bürgern macht sich inzwischen Resignation breit. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Empfohlen werden kann nur, weiter Druck zu machen und den aktuellen Zustand nicht einfach hinzunehmen. Auch wenn das ohne die tatkräftige politische Unterstützung der eigenen Bürgermeisterin sein muss.

Anmerkung der Redaktion

Auf Nachfrage räumte Frau Hoppe ein, dass in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich sporadische geschäftliche Kontakte zwischen der Gemeinde und der Kanzlei MD bestanden haben. Diese beschränkten sich auf die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen, wo u.a. Herr Dr. Mestwerdt als Referent auftrat. Aktuell bestehen nach Aussage von Frau Hoppe keine geschäftlichen oder vertraglichen Verbindungen der Gemeinde Schwielowsee zur Kanzlei MD oder zu Rechtsanwalt Mestwerdt.

 

Norbert Kunz
Norbert Kunz

Autor Norbert Kunz, verheiratet, Dipl.-Politikwissenschaftler, Jahrgang 1971, lebt seit 2012 mit seiner Familie in Wildpark-West.

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