Frauen wollen mehr

Frauen wollen mehr
Neben Modenschauen, Vorträgen, Lesungen und Ausstellungen spielte die Musik immer eine große Rolle in der Geltower Handweberei. Regelmäßig wird zu Konzerten mit unterschiedlichen Musikern eingeladen. Höhepunkt ist der jährliche „Jour“.

Frauen wollen mehr

VON JANA FELLENBERG

Es wird nur noch wenige geben, die sich daran erinnern, dass in Alt-Geltow im Saal hinter dem kleinen, geduckten gelben Häuschen mit der blauen Eingangstüre, die schon lange nicht mehr als solche dient, gleich gegenüber der Kirche und neben dem Friedhof, einmal keine Webstühle standen. Denn das ist bereits 80 Jahre her. 1939 zog Henni Jaensch-Zeymer in das damals leerstehende alte Gasthaus und machte aus ihm eine Handweberei, die heute eingetragenes technisches Denkmal ist.

Webstühle im Tanzsaal

Thomann‘s Festsaal bot genug Raum, um die Werkstatt mit den großen Webstühlen einzurichten und vor allem auch zu erweitern, denn die Auftragslage war gut und so konnte der Webhof von anfangs zwei Webstühlen nach und nach auf zehn vergrößert werden, heute stehen hier sogar 16 der hand- und fußbetriebenen historischen Maschinen. Und auf allen, selbst den beiden mit ihren 300 Jahren dienstältesten, wird noch gewebt.
Damals wie heute wohnt die Meisterin im Haus – die ehemalige Bühne des Festsaales baute man zur Wohnung um. Blick in den weitläufigen Garten, der früher intensiv zur Eigenversorgung und Erholung genutzt wurde, inklusive. Im Vorderhaus, das heute Büro, „Leinenladen“ und Gastraum beherbergt, wohnten anfangs die Lehrlinge.
Männer spielten in der langen Geschichte der Handweberei eher eine Nebenrolle. Selbstbewusst und selbstbestimmt füllten und füllen die Frauen mit ihrer Kraft und ihren Ideen den Raum, und wenn wirklich mal ein Mann gebraucht wurde, war früher in jedem Sommer im Monat August der Erich da. Der reparierte, spielte, fotografierte – Ulla Schünemann, die ihn oft begleitete, holte sich in diesen Ferien ihr handwerkliches Rüstzeug. Heute übernimmt ihr Ehemann die Reparaturen.

Kunst des Weglassens

Und immer noch sind es Frauen, die auf den alten Webstühlen schlichte, langlebige und wundervolle Stoffe erfinden und produzieren. Immer weiter im Stile Hennis, wie sie von allen genannt wurde. Sie, die Künstlerin, ließ sich Zeit ihres Lebens vom Bauhausgedanken inspirieren und entwarf getreu der „Kunst des Weglassens“ ihre Stoffe. Und auch heute noch wird genauso gewebt wie damals. Einziger Unterschied – die verwendeten Garne sind farbiger geworden, und öfter wird Leinen als Wolle verarbeitet.
Fast 50 Jahre hielt Henni die Fäden in der Hand. Von 1943 bis zu ihrem Tode 1983 immer an ihrer Seite Annemarie Schünemann. Ihre Tochter Ulla, auf dem Webhof …

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