Den tiefen Wald unserer Kindheitsmärchen gibt es nicht mehr und wenn man früher von Klima sprach, dann vor allem vom Betriebsklima. Warum lässt die politische Elite, die Wissenschaft und Forschung finanziert, die brisanten Forschungsergebnisse nicht in ihr politisches Handeln einfließen?

Es rauscht im Blätterwald

VON ERIKA UND DR. JÜRGEN HARDER

Und zwar nicht nur im höchst realen bis dato meist schönen grünen Wald, sondern im Blätterwald der Zeitungen, Zeitschriften und im Netz. Was uns bisher als so vertraut, so beschützend, so romantisch à la „Du schöner grüner deutscher Wald“, zu dem wir die Deutschen schon immer ein besonderes und geradezu schicksalhaft verklärtes Verhältnis hatten, besorgt uns nun zunehmend. Weil wir nämlich die Augen nicht länger davor verschließen können, was mit ihm, eben unserem Wald geschehen ist. Immer kleiner sind unsere Wälder geworden und immer bedrohter durch Kahlschlag, Windbruch infolge Sturm, zunehmende menschliche Siedlungstätigkeit, Waldbrände und Trockenheit. Den tiefen Wald unserer Kindheitsmärchen, in dem sich Hänsel und Gretel verlaufen hatten und Rotkäppchen dem Wolf begegnete, den scheint es so nicht mehr zu geben und damit droht uns neben der Angst vor den immer deutlicher und damit für uns spürbarer werdenden Auswirkungen unserer auch hausgemachten Klimaveränderungen ein Stück Verlust unserer Kindheitsmuster. Ein zu verschmerzender Verlust, werden die Skeptiker unter uns sagen, was macht das schon etc. und eh sei ja alles nicht so schlimm, wie Realisten, die in den Augen der Ersteren ohnehin nur ewige Nörgler und Pessimisten sind, es darstellen. Doch mit diesem, medial oft Jahrhundertsommer genannten, Sommer ändert sich manches. Noch nie zuvor wurde das Wort „Klimaveränderungen“ so oft gesagt und geschrieben, wenn man früher von Klima sprach, so dann vor allem über Betriebsklima, gesellschaftliches Klima, familiäres Klima, internationales Klima, aber nicht über das Klima unserer Atmosphäre an sich. Aber jetzt avancieren Klima und Klimaveränderungen offenbar im Sprachgebrauch so, dass sie Chancen haben, zum Wort des Jahres zu werden. Na mal sehen, wir wollen ja nicht schwarz malen, andererseits wäre es vielleicht auch ganz gut, damit wir uns dermaleinst erinnern können, wie und wann sich das Thema unseres gesellschaftliches Bewusstseins unaufhaltsam bemächtigte, aber was versteht man eigentlich unter Klimaveränderungen?

Fachleute gleich vor der Haustür

Das weiß doch heute jedes Kind, könnte man denken, was auch sein kann und also werden die Erwachsenen gebeten, weiter zu lesen:
Erinnern Sie sich noch an Ihren Geografieunterricht, liebe Schüler von einst? An den Wechsel von Kalt – und Warmzeiten? Auch an Eiszeiten? Gut so, dann wissen Sie ja, dass es schon immer natürliche Klimaveränderungen oder auch einen Klimawandel auf unserer Erde gab, es also mal wärmer und mal kälter war, doch dieser Wandel ging ganz langsam, quasi langsamer als im Schneckentempo vor sich und so hatten Flora und Fauna eine Chance, sich peu a´peu über für uns unvorstellbar lange Zeiträume von Jahrmillionen anzupassen an die veränderten Bedingungen. Für unsere Wissenschaftler ist der gegenwärtige Klimawandel jetzt schon messbar, denn es geht vergleichsweise schnell vonstatten und er ist hausgemacht und nicht eine Erfindung des Volkes, das zwar schon das Porzellan, das Feuerwerk und anderes Schöne erfand, doch nicht die Klimaveränderungen wie es gelegentlich der amtierende erste Mann eines Staates, zu dessen Werden auch die Preußen beitrugen, zuweilen formuliert. Vielmehr geht es so zu wie in jedem Treibhaus, jedem Folienzelt z.B. für Tomaten: Die Atmosphäre – einfach gesagt, eine Lufthülle – die uns schützend umgibt, enthält Treibhausgase, Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan u.s.w. Die Sonnenstrahlen, die auf die Erdoberfläche treffen, werden von ihr reflektiert, doch nicht alle, ein Teil bleibt sozusagen bei uns und erwärmt nun die Erde. Soweit, so gut, sonst würde Mutter Erde ja auskühlen. Doch nun wird es zunehmend zu viel des Guten, denn je mehr Treibhausgase wir produzieren nicht durch unsere schlichte Anwesenheit in immer größerer Zahl auf unserem blauen Planeten, sondern durch unsere Lebensweise, desto mehr erwärmt sich die Erde. Das alles wissen wir schon längst und dass dem so ist, illustrieren unzählige wissenschaftliche Veröffentlichungen seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Wir hier in Potsdam (* für Wildpark-West passt „bei Potsdam“) haben zudem mit dem PIK (Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung) die Fachleute gleich vor der Haustür, die uns seit vielen Jahren die komplizierten Prozesse im Zusammenhang von Klima, Klimawandel und dessen Folgen erklären. Scheinbar sinnlos? Viel zu schwer zu verstehen? Und wenn wir wissen, was zu tun ist, um die schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung vielleicht doch noch zu mindern, warum geschieht dann nichts? Warum lässt die politische Elite, die einerseits Wissenschaft und Forschung finanziert, dann andererseits deren so brisante Forschungsergebnisse nicht in ihr politisches Handeln einfließen? Es scheint ja gerade so, als würde man bei körperlichen Beschwerden einen Arzt aufsuchen, sich beraten, aber nicht kurieren lassen oder einen Unternehmensberater mit einem Firmen- Check up beauftragen und anschließend legt man die Ergebnisse eben dieser Untersuchung zu den Akten. Fakten zu den Akten?
Doch so einfach ist es nicht, verehrte Leser: Man bemüht sich ja, veranstaltet Weltklimakonferenzen, beschließt Klimaziele, doch haben Wissenschaft & Politik die Macht dazu, diese auch einzuhalten bzw. durchzusetzen gegenüber jenen, die quer treiben und denen ihre eigenen nationalen und politisch oft kurzsichtigen Interessen oder multinationalen Konzerninteressen den Blick trüben für das, was jetzt zu tun ist? Scheinbar kaum . . .

Einen Beitrag leisten

Ganz wie es das Sprichwort von der Sonne, die es an den Tag bringt, sagt, hat es unser dieser Sommer mit seinen Rekordtemperaturen über einen längeren Zeitraum, extremer Trockenheit in weiten Gebieten Brandenburgs quasi vor unserer Haustür gezeigt, was sich woanders in der Welt schon lange abspielt: Ein Horrorszenario könnte uns bevorstehen, wenn wir ganz normalen Bürger, die sogenannten kleinen Leute, hier und heute nicht gegensteuern. Sie in Wildpark-West haben schon begonnen, einen – und sei es vergleichsweise noch so kleinen – Beitrag dafür zu leisten, der globalen Erderwärmung etwas entgegenzusetzen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg.

Vorschau

Im nächsten Heft bemühen wir Friedrich II., der einst meinte, dass viel Unglück in der Welt vermieden werden könnte, wenn man Dinge schlicht unterlässt, was nur ein sinngemäßes und kein wörtliches Zitat sein soll, woran er sich selbst leider auch nicht hielt, dem wir aber zumindest mit den drei großen „V“ (Vermeiden, Verzichten, Verweigern) auf den Grund gehen wollen.

Erika Harder
Erika Harder

Autorin Erika Harder, geboren 1956 in Potsdam, verheiratet, eine Tochter, lebt mit ihrer Familie seit ihrer Kindheit in Potsdam. Sie ist studierte Pädagogin für Geschichte und Germanistik.

Dr. Jürgen Harder
Dr. Jürgen Harder

Autor Dr. Jürgen Harder, geboren in Rostock 1943, verheiratet, drei Kinder, lebt mit seiner Familie seit 1988 in Potsdam. Er ist promovierter Hochschullehrer für Geographie und Sport.

Einen Kommentar schreiben

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.