Eine Vision wird Wirklichkeit

Eine Vision wird Wirklichkeit

Irgendwann wollten wir, meine Frau und ich, uns einmal Wildpark-West anschauen, und dachten, die Waldsiedlung wäre ein Zoo! Dass wir bereits wenige Jahre später selbst zu den dort lebenden „Tieren“ zählen würden, konnten wir zum damaligen Zeitpunkt nicht ahnen.

Eine Vision wird Wirklichkeit

VON MANFRED SWOBODA

Meine Frau hatte bereits in unserem Berliner Domizil die Vision vom Leben in der Natur! Die Wasserlandschaft rund um den Schwielowsee schien die wahre Welt für unsere Glückseligkeit! Wir tuckerten vom Müggelsee mit unserem Segelboot „Marwin“ zum Petzinsee, wo wir die Datsche mit Bootssteg für einen Freund hüteten. Wasser und Wald, das war es, was uns gefiel! Zu der Zeit sang ich als Tenor im „TAZ-Chor“. Eines Tages fragte mich eine neue Mitsängerin, ob ich denn nicht ihr Nachbar werden wollte, denn sie plante ein Grundstück in der Waldsiedlung zu kaufen. Dies machte mich neugierig, denn Wildpark-West wollte ich schon lange kennenlernen – der Freizeitwert schien verlockend!

Einfach Magisch

Statt des erwarteten Wildgeheges, wurde es dennoch ein spannender Spaziergang. Obwohl uns kein kapitales Tier über den Weg lief und auch der Biber noch nicht gesiedelt hatte, fanden wir den Charakter der Siedlung einfach magisch! Geprägt durch eigenwillig gekrönte Kiefern, eine bunte Vogelwelt, einer Datschen-
Vielfalt aus Asbestzement und plötzlich – überraschend – geschmackvoll gestaltete Wohnhäuser unterschiedlichster Stile.

Hier müsste ein Fahrrad- und Fußgängerübergang mit Aussichtsplattform und Blick zur Insel Werder hin!
Renate Kaiser-Swoboda

Ich war elektrisiert!

Plötzlich standen wir vor einem zum Verkauf stehenden Grundstück und schauten uns verdutzt an …
Silvester 2003 übernachteten wir bereits in der eiskalten, frisch erworbenen Datsche. So kehrten wir nicht nur dem Jahr 2003 den Rücken, sondern auch Berlin!

Ein überwältigender Blick

Am Neujahrsmorgen 2004 machten wir einen ersten Spaziergang an der Havel Richtung Werder, entlang eines offensichtlich oft benutzten Trampelpfads, hin zur Bahnbrücke. Der Brückenzugang führte über 27 vereiste Treppenstufen, belohnte uns aber mit einem überwältigenden Blick auf die Wasserlandschaft. Auf dem Weg zurück sagte meine Frau, als wir die glatten Stufen wieder Richtung Wildpark-West hinabstiegen: „Dieser Brückenaufgang ist wirklich sehr gefährlich und nicht mehr zeitgemäß!“ Ganz Unrecht hatte sie nicht, denn der Übergang an der Bahnbrücke ist nicht nur im Winter ein Abenteuer!

Ein erster Entwurf der geplanten Radwegbrücke über den Zernsee , (VIC Planen+Beraten GmbH)
Ein erster Entwurf der geplanten Radwegbrücke über den Zernsee , (VIC Planen+Beraten GmbH)

 

Ausflügler und Gruppen von Radlern

Über die „Schmalspur“ von 140 Zentimetern und über eine Brückenlänge von etwa 100 Meter verläuft eine Sturz gefährliche Metallkante von 1–2 Zentimetern Höhe. Sie gehört zum Kabelkanal, der seit vielen Jahren leer ist, da die Stromkabel unterhalb des Flussbettes geführt sind.
An warmen Wochenenden stauen sich an dem Bahnübergang Anwohner, Ausflügler und Gruppen von Radlern, so dass eine Brückenüberquerung manchmal viel Zeit und auch Nerven kostet, was häufig eine Herausforderung darstellt!

Genau die richtige Zeit

Renate meinte: „Hier müsste ein Fahrrad- und Fußgängerübergang mit Aussichtsplattform und Blick zur Insel Werder hin!“ Warum eigentlich nicht? Ihre Vision ließ mich nicht mehr los! Nur wie sollte das realisiert werden? Eines Morgens fiel es mir beim Unterqueren der Bahnbrücke wie Schuppen von den Augen: Hier war doch ein überlanger Brückenkopf, auf dem eine separate Brücke liegen könnte!
Mit den Skizzen einer 117 Meter langen „Radlerbrücke“ verabredete ich mich mit dem damaligen Vorsitzende des „Wildpark e. V.“, der mich darin bestärkte, meine Entwürfe Entscheidungsträgern der Region vorzustellen. Eine spannende Idee in einer spannenden Zeit! Damals wie heute ist die so genannte „Havelspange“ ein großes Thema, was letztlich sogar zur Gründung des „Wildpark e. V.“ führte. Es geht darum, dass am Bahndamm nördlich der Waldsiedlung, eine mehrspurige Schnellstraße entlang führen sollte. Quer durch den ganzen Wildpark bis hinüber nach Phöben! Doch Ende August 2004 berichtete die Tageszeitung Potsdamer Neueste Nachrichten überraschend: „Havelspange soll vorerst ausgeklammert werden“. War das Geld ausgegangen? Genau der richtige Zeitpunkt für eine Fahrradwegbrücke …
Auf dem Gelände der Grabow-Werft lud ich deshalb engagierte Bürger und den damaligen Fahrradbeauftragten von Potsdam, Axel Dörrie dazu ein, meine Pläne zu begutachten und sich vor Ort selbst ein Bild von meiner Vision zu machen. Alles sprach dafür, dieses Projekt zu realisieren! Also machte ich mich in meiner Freizeit an die Arbeit!

Das Bauprojekt

Rad- und Fußwegbrücke über den großen Zernsee

Potsdam beabsichtigt gemeinsam mit Werder (Havel) eine neue Rad- und Fußwegbrücke über den großen Zernsee bei Wildpark-West zu bauen. Die Brücke soll parallel auf der Südseite der Bahnbrücke verlaufen und den jetzigen Gangsteg auf der nördlichen Seite ersetzen. Bestandteil der Bauarbeiten sind auch die Weganbindung nach Werder und die Anbindung des Fahrradweges nach Wildpark-West.

  • Es ist geplant, den Geh- und Radweg im Zweirichtungsverkehr in drei Metern Breite behindertengerecht auszubauen. Auf der Brücke soll die Breite vier Meter betragen.
  • Der nach Wildpark-West führende Wegabschnitt verläuft weiter auf dem Bahndamm, um nach Passieren der Bootshalle an der Werft nach Süden zu schwenken und weiter am Fuß des Bahndamms bis in die Höhe der geplanten Anbindung an der Kreuzung Uferweg und Seesteig zu verlaufen.
  • Die bauliche Umsetzung ist in 16 Monaten von 2020 bis 2021 geplant. Die Brücke selbst soll in 9 Monaten errichtet sein. Während der gesamten Baumaßnahmen soll eine Vollsperrung des Geh- und Radwegs erfolgen.
  • Die wesentliche Baustellenanbindung soll aus Richtung Golm über den Galliner Damm erfolgen.
  • Als erste bauvorbereitende Maßnahme sollen über 150 Bäume gefällt werden.
  • Die alten Brückenwiderlager sowie die Pfeiler müssen zurück- und neugebaut werden.
  • Bauwerk und Rampen werden indirekt mit LEDs beleuchtet.
  • Die veranschlagten Gesamtkosten für die Brücke und die Zuwegung werden derzeit mit etwa 5,6 Millionen Euro angegeben.
  • Brückenlänge der Stahlbrücke ca. 110,4 Meter, Gesamtflächenbedarf 7.000 Quadratmeter.
  • Auf der Brücke werden zwei Aussichtskanzeln mit Sitzgelegenheit und Blick auf Werder angebracht.
  • Die zu erhaltenden Solitärbäume sollen geschützt werden, ebenso soll auf den Biber in seiner Biberburg und auf Zauneidechsen Rücksicht genommen werden. Durch den Verlust von Altbäumen mit Fledermaushöhlungen macht es sich notwendig zwölf künstliche Ersatzquartiere zu schaffen. Die nur noch teilweise vitalen Pappeln im südlichen Bereich des östlichen Brückenwiderlagers bieten Lebensraum für viele Totholz bewohnende Arten. Zusätzlich wurde auf den Schutz der jungen Solitäreiche („Ole Görrissen Eiche“) verwiesen, die eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung des Bau-Projektes darstellt.

CHRONOLOGIE

2005

Anfrage beim Fachbereich Verkehrs- und Grünflächen der Stadt Potsdam nach einem Planungsentwurf. Erstentwurf Präsentation in einer Bürgersprechstunde der Landespolitikin Saskia Ludwig.

2006

Präsentation der Vision mit Entwürfen der „Radlerbrücke“ beim Regionalbereichsleiter in Potsdam der Deutsche Bahn AG. Dr.-Ing. Joachim Trettin
entscheidet sich für eine Zusage und gewährt Zugang zum Archiv der Deutsche Bahn AG. Erstellung der Entwurfsplanung. Bekanntgabe der Visionsentwürfe den Anrainern von Werder, Schwielowsee sowie dem neuen Potsdamer Fahrradbeauftragten.

2007

Die Vision der „Radlerbrücke“ wird der regionalen Presse bekannt gegeben.

2010

Erstellung einer Machbarkeitsstudie: Regionalpark-Fahrradroute. Ortstermin mit dem damaligem Verkehrsminister Vogelsänger und Susanne Melior. Absprachen mit Ingenieuren der Deutsche Bahn AG.

2011

Erstellung eines Entwurfes durch ein Ingenieurbüro für Brückenbau. Präsentationsvortrag in Potsdam im Fachbereich Stadtplanung-Bauordnung, Stadtentwicklung- und Verkehrsentwicklung.

2013

Präsentationen beim ADFC-Potsdam,  Ortstermine mit Landes- und Gemeindevertretern. Auf der Golmer Website, den Tageszeitungen Märkische
Allgemeine Zeitung und Potsdamer Neueste Nachrichten, dem ADFC-Magazin und bei Antenne Brandenburg  wird berichtet, Werder-Live sendet einen Filmbeitrag.
Teilnahme am EU-Planungswettbewerb RPW 2013 „Maßnahmen zur Zusammenführung von Land und Stadt“

2014

Pressebeiträge: Potsdam-TV und RBB berichten.

2015

Machbarkeitsstudie der Stadtverwaltung Potsdam www.mobil-potsdam.de/de/fahrrad/radverkehrskonzept

2016

Planungsgespräch in der Stadtverwaltung Potsdam.

2017

SUW-Umsetzungsprogramm: „Radlerbrücke“ steht auf Platz 1 von 13 bewilligten Projekten, so dass Mittel in Höhe von etwa drei Millionen Euro für die Erstellung bewilligt werden!

2018

Planungs- und Projektierungsbüros erstellen Gutachten und Pläne.

2019

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung führt die Redaktion unserer Heimatzeitschrift „Waldsiedlung Wildpark-West“ im Februar eine Informationsveranstaltung im
Bürgerclub Wildpark-West durch. Zahlreiche Anregungen durch die Bürger. Auch die Stadt Potsdam entschließt sich daraufhin mit den beteiligten Gemeinden zu einer solchen Veranstaltung, die nun voraussichtlich im April 2019 stattfinden soll.

Manfred Swoboda
Manfred Swoboda

Der Autor Manfred Swoboda, geboren 1954 in Bremen, lebt seit 2004 mit seiner Familie in Wildpark-West. Er ist Dipl.-Ing. für Feinwerktechnik-Konstruktion und pendelt täglich zum Fritz-Haber Institut der Max-Planck-Gesellschaft nach Berlin.

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