Hortus Experiences

Der Haufen,

der in einer der hinteren Ecken meines Gartens liegt, ist das Ergebnis eines kurzen Anfalls von Faulheit nach dem herbstlichen Strauchschnitt. Allerdings liegt diese kurze Nachlässigkeit nun schon einige Jahre zurück und der Haufen ist immer noch da. Was nicht etwa daran liegt, dass mir die Lust an der Gartenarbeit verloren gegangen oder mein Repertoire an Ausreden unerschöpflich ist. Nein, der Grund ist einfach und heißt Igel. Bei Erscheinen der ersten Sonnenstrahlen im Februar war die Gartenlust sofort geweckt, der Häcksler aus dem Schuppen geholt und schon sollte es losgehen. Nachdem die ersten Zweige geschreddert waren, hörte ich das Geräusch zum ersten Mal und konnte es nicht zuordnen, mit fortschreitender Verkleinerung des Haufen wurde das Geräusch lauter und ich konnte es als ärge- liches Schnaufen ausmachen. Nach kurzer Rücksprache mit der gartenerfahrenen Familie wurde ein Igel als Ursache ermittelt. Somit war der Aktionismus erst einmal jäh beendet. Dem Igel kann man ja, bei dem noch kalten Winter, nicht einfach seine Behausung abbauen. Im Laufe des Frühjahrs trug erneut im Garten angefallenes Reisig dazu bei, dass der Haufen wieder seine alte Größe und der Igel somit wieder sein vollständiges Zuhause hatte. Irgendwie fand auch ein kleines Rotkehlchen den Haufen ganz interessant und zog ins Obergeschoss ein. Inzwischen hat sich der Haufen darüber hinaus zu einem spannenden Katzenkino entwickelt. Allabendlich sitzt Nachbars Kater davor und lauscht und schaut und lauscht und schaut. So dass zu vermuten ist, dass sich weitere kleine Bewohner mit spitzen Schnauzen und schwarzen Knopfaugen das Zuhause mit dem Igel teilen.

Ja, da liegt er nun der Haufen, der so vielen sichtbaren und unsichtbaren Lebewesen ein Zuhause bietet und irgendwie auch gar nicht mehr stört. Im nächsten Jahr wird der Strauchschnitt sofort gehäckselt, denn unendlich viel Platz für Haufen bietet der Garten dann doch nicht.

Ihre WaldgärtnerinDie Waldgärtnerin

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